Im Gespräch: Raphael Ammon, Abteilungsleiter Fassadenbau bei der Schmid Bauunternehmung AG, und Samuel Bregenzer, Geschäftsführer Ecolite AG

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Fassaden waren noch nie so vielfältig und noch nie so umkämpft. Steigende Anforderungen, wachsender Kostendruck, Fachkräftemangel. Raphael Ammon und Samuel Bregenzer schildern, wie sie mit Herausforderungen umgehen und was die Branche in den nächsten Jahren bewegt.

Schmid Bauunternehmung und Ecolite arbeiten seit Jahren zusammen, was verbindet eure Unternehmen?

Raphael: Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen. Beide Seiten verstehen sich als Impulsgeber, die ihre Teams und Partner bewusst aufstellen. Ich habe bei der Schmid Bauunternehmung das Handwerk von Grund auf gelernt und Schritt für Schritt mehr Verantwortung erhalten. Das prägt meinen Führungsstil bis heute: Ich fördere Talente im eigenen Betrieb und übergebe Verantwortung früh an jüngere Mitarbeitende. Das setzt neue Kräfte und Lösungswege frei. Nachhaltiger Erfolg zählt bei uns mehr als kurzfristiger Gewinn. In der Zusammenarbeit mit Ecolite spüren wir die gleichen Führungsprinzipien, Werte und Ziele. Technische Fragestellungen werden lösungsorientiert im Team angegangen und wir können gemeinsamen jeder architektonischen Eigenheit präzise gerecht werden.

Samuel: Dem kann ich nur zustimmen. Die Zusammenarbeit mit Schmid Bauunternehmung funktioniert nicht wie eine klassische Kunde-Lieferant-Beziehung, sondern wie ein eingespieltes Team. Als Familienunternehmen denken wir langfristig, übertragen Verantwortung und fördern Mitarbeitende, die sich mit Herzblut für die Sache engagieren. Diese Kontinuität schafft Vertrauen, lässt Geschäftsbeziehungen über Jahre wachsen und führt zu einem gemeinsamen Verständnis für Projekte. Technische Fragestellungen mitzudenken und Projekte aktiv voranzubringen, steckt in unserer DNA. Wir liefern nicht Produkte, sondern Lösungen. Mit der Schmid Bauunternehmung ist dieser Ansatz über Jahre gewachsen. Das verbindet.

Der Fassadenbau verändert sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Wo zeigt sich das am deutlichsten?

Samuel: Fassaden sind vielfältiger geworden, gestalterisch, technisch und funktional. Parallel dazu wachsen die Anforderungen: Digitalisierung, Fachkräftemangel, steigende technische Vorgaben und zunehmender Kostendruck. Diese Entwicklungen laufen nebeneinander und verändern, was Planung und Umsetzung leisten müssen. Umso wichtiger ist es, den Horizont zu öffnen und gemeinsam zu überlegen, wohin sich Fassaden entwickeln und welche Lösungen es dafür braucht.

Raphael: Wir spüren diese Entwicklung in der Praxis sehr deutlich. Fassadenprojekte sind anspruchsvoller geworden, weil in Planung und Ausführung viele Faktoren gleichzeitig zusammenspielen und sich Rahmenbedingungen laufend verändern. Entscheidend ist deshalb, im engen Austausch zu bleiben, sowohl intern als auch mit externen Partnern, und Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln.

Der Markt verschiebt sich vom Neubau zur Sanierung, was bedeutet das konkret für eure Arbeit?

Raphael: In der Ausführung sind Sanierungen meist anspruchsvoller als Neubauten. Beim Bestand zeigt sich oft erst nach dem Öffnen der Fassade, was tatsächlich dahintersteckt. Hinzu kommen enge Platzverhältnisse, aufwendige Logistik und Arbeiten in Etappen, häufig bei laufender Nutzung des Gebäudes. Das macht Planung und Kalkulation schwieriger. Umso wichtiger sind Partner, die flexibel reagieren und Lösungen an die Situation auf der Baustelle anpassen.

Samuel: Die besondere Herausforderung bei Sanierungen liegt im Bestand, denn kein Gebäude ist wie das andere. Man trifft auf alte Materialien, unebene Konstruktionen, unbekannte Untergründe oder auf Asbest. Gleichzeitig sind bestehende Fensterpositionen und konstruktive Vorgaben zu berücksichtigen. Planung funktioniert deshalb oft nur als rollender Prozess, weil sich Details erst während der Bauphase klären lassen. Trotzdem werden Sanierungen zunehmen, nicht zuletzt, weil sie nachhaltiger sind als Neubauten.

Welche Anforderungen müssen Fassaden heute erfüllen?

Raphael: In der Schweiz beobachten wir eine starke Individualisierung. Bauherren wollen sich bewusst von anderen Gebäuden abheben und legen Wert auf eigenständige Lösungen. Das zeigt sich in der Materialwahl, in der architektonischen Gestaltung und zunehmend in den Anforderungen an die Nachhaltigkeit. Wir begegnen diesen Herausforderungen unter anderem mit standardisierten Abläufen und einer effizienten Arbeitsvorbereitung. Trotzdem bleiben die Risiken hoch, nicht zuletzt wegen den Lohnkosten in der Schweiz. Wir sind gefordert, dem Bauherrn ein attraktives Angebot zu machen und gleichzeitig wirtschaftlich zu arbeiten.

Wie löst ihr als Systempartner diesen Anspruch?

Samuel: Wir verbinden individuelle Anforderungen mit möglichst standardisierten Lösungen. Neue Materialien, Fertigungstechnologien wie CNC-Verfahren, Photovoltaik-Fassaden und nachhaltige Konzepte erweitern dabei unseren Spielraum. Wir verstehen uns als Ermöglicher, nehmen alle Anforderungen auf und entwickeln daraus eine technische, wirtschaftliche und ästhetische Lösung. Unsere Systeme sind ist dabei meistens nur Ausgangspunkt. Die eigentliche Arbeit liegt im projektspezifischen Detail.

Kosten und Marge sind unter Druck. Wie sichert ihr die Wirtschaftlichkeit, ohne an Qualität zu verlieren?

Raphael: Es beginnt bei der Projektselektion. Wir prüfen früh, welche Vorhaben zu uns passen. Komplexe Projekte verlangen einen hohen Planungs- und Abstimmungsaufwand, und genau darin liegt unsere Kernkompetenz. Wo immer möglich arbeiten wir mit eigenem Personal und mit langjährigen Partnern. Das reduziert Schnittstellenverluste und lässt uns Projekte effizient und in konstant hoher Qualität umsetzen.

Samuel: Effizienz entsteht bei uns vor allem durch gemeinsame technische Optimierung. Das beginnt bei der Statik, führt über angepasste Konsolenabstände bis zu Lösungen, die die Montage vereinfachen. Entscheidend ist, das System aus der Ausführung heraus zu denken. Der grösste Kostenhebel liegt in vielen Fällen nicht im Material, sondern in der Montagezeit auf der Baustelle. Genau dort setzen wir an und entwickeln Lösungen, die sich schneller und einfacher umsetzen lassen.

Viele erwarten sich von der Digitalisierung Effizienzgewinne. Ist die Erwartung berechtigt?

Samuel: Digitalisierung ist ein wichtiges Instrument, aber kein Allheilmittel. In der 3D-Planung, bei Gebäudescans und in der Produktion bringt sie klare Vorteile und macht Abläufe effizienter. Bei Sanierungen stösst sie an Grenzen, weil viele Gegebenheiten erst im Bauprozess sichtbar werden. Die digitale Planung ist eine wichtige Unterstützung, kann Erfahrung und Flexibilität in der Umsetzung aber nicht ersetzen.

Raphael: Wir sehen vor allem Vorteile in der Kommunikation und bei der Planung. Änderungen lassen sich schneller abstimmen, Materialauszüge effizienter erstellen. Diese Geschwindigkeit birgt aber auch Risiken. Weil Anpassungen kurzfristiger möglich sind, werden Entscheidungen teilweise später getroffen. Auf der Baustelle kann das Abläufe stören und zusätzliche Kosten verursachen. Entscheidend bleibt deshalb, die digitalen Möglichkeiten mit einer sauberen Planung und klaren Prozessen zu verbinden.

Samuel, ihr habt früh eigene Softwarelösungen entwickelt. Hat sich das wirtschaftlich ausgezahlt?

Wirtschaftlichkeit allein ist für uns kein Argument. Es geht um Unabhängigkeit und Flexibilität. Das hat anfangs seinen Preis, zahlt sich aber über die Jahre aus, weil wir unsere Werkzeuge genau auf unsere Arbeitsweise zuschneiden können. Wo andere Umwege in Kauf nehmen, arbeiten wir direkt. Das macht uns schneller, und davon profitieren unsere Kunden. Was bei ihnen ankommt, kommt langfristig auch zu uns zurück.

Raphael, arbeitet ihr mit Architekten und Generalunternehmen heute vernetzter als früher?

Eine grundlegende Veränderung sehen wir bisher nicht. BIM hat sich nicht so etabliert, wie man das vor einigen Jahren erwartet hat. Auf dem Markt gibt es verschiedene Lösungen, gerade im Bereich BIM-to-Field. Durchgesetzt hat sich noch keine. Verändert hat sich etwas anderes: Weil die Projekte komplexer werden, beginnt die Zusammenarbeit zwischen Architekt, Produzent und Unternehmer immer früher. Das halte ich für den richtigen Weg. Wer vor und während dem Bau gemeinsam an den Lösungen arbeitet, hält die Kosten tief und erreicht trotzdem eine hohe Qualität.

Verlagert sich der Fassadenbau von der Baustelle in die Werkhalle, wenn Prozesse früher zusammenlaufen?

Samuel: Modulares Bauen wird an Bedeutung gewinnen, den klassischen Bau aber nicht ersetzen. Gerade bei thermischen Sanierungen bleibt die konventionelle Bauweise zentral. Bei Neubauten eröffnen modulare Bauweisen hingegen neue Möglichkeiten: Leichtbaukonstruktionen und innenliegende Dämmungen führen dazu, dass Fassadensysteme stärker vorgefertigt und in industrielle Prozesse eingebunden werden.

Raphael: Die zunehmende Vorfertigung betrifft vor allem Teilbereiche wie Pfosten-Riegel-Fassaden, in denen wir nur begrenzt tätig sind. Unser Fokus liegt bewusst auf Projekten mit einem hohen Grad an Individualisierung. Das ist unsere Stärke und sichert eine stabile Auslastung.

Raphael, die Anforderungen im Fassadenbau steigen, gleichzeitig fehlen Fachkräfte. Wie geht ihr damit um?

Die Baubranche kämpft seit Jahren mit Fachkräftemangel, nicht zuletzt, weil das Berufsbild bei jungen Menschen wenig verankert ist. Der Fassadenbau ist zudem eine kleine Sparte. Es ist schwierig, Nachwuchs zu finden, und ebenso schwierig, gelernte Fachkräfte zu halten, die ihre Zukunft auf der Baustelle planen. Umso wichtiger sind Schnupperlehren und direkte Einblicke in den Beruf. Entscheidend bleibt die Ausbildung im eigenen Betrieb. Wir haben mehrfach Fachspezialisten aus verwandten Bereichen umgeschult. Wo die Freude am Fassadenbau da war, haben wir die Leute weiterentwickelt, bis auf Kaderstufe. Mitarbeiterförderung und Verantwortung weiterzugeben, halte ich für eine der wichtigsten Führungsaufgaben, um den Geschäftsbetrieb langfristig zu sichern.

Und bei euch, Samuel?

Fachleute, die sich mit hinterlüfteten Fassaden wirklich auskennen, sind Mangelware. Das spüren auch wir. Deshalb bilden wir selbst aus und entwickeln unsere Mitarbeitenden intern weiter. Das braucht Zeit und ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Entsprechend können wir nicht überall so schnell wachsen, wie es der Markt zulassen würde. Projektberatung und Planung sind gefragt, dieses Potenzial könnten wir weiter ausschöpfen. Solange wir diese Leistungen aber nicht in der gewohnten Qualität und Tiefe erbringen können, verzichten wir bewusst darauf.

Welche Kompetenzen sind in Zukunft gefragt?

Raphael: Handwerklich starke Leute mit Freude am Endprodukt sind immer gesucht. Beim Baustellenkader zählt die Kombination aus technischem Verständnis, digitaler Kompetenz und Offenheit für Neues. Dazu kommen unternehmerisches Denken und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Samuel: Gefragt sind weniger reine Spezialisten als Generalisten mit einem breiten Verständnis. Wer Technik, Wirtschaftlichkeit und digitale Themen verbinden kann, ist im Vorteil. Gerade für kleinere Betriebe sind solche vielseitig aufgestellten Teams besonders wichtig.

Wo steht die Fassadenbranche in zehn Jahren?

Samuel: Die Fassade erfüllt heute zwei zentrale Funktionen: Sie schützt das Gebäude und prägt seine Erscheinung. Zunehmend übernimmt sie aber auch weitere Aufgaben. Begrünung, Photovoltaik und intelligente Materialien zeigen, was bereits möglich ist. Welche neuen Lösungen sich noch entwickeln und welche Technologien sich langfristig durchsetzen, ist heute kaum absehbar.

Raphael: Materialtrends werden die Entwicklung weiter prägen, sie wechseln sich in Wellen ab. An Bedeutung gewinnen zirkuläres Bauen und die Wiederverwendbarkeit von Materialien, zunehmend auch regionale Produkte. Grundlegende Veränderungen zeichnen sich heute noch nicht ab.

Zum Schluss: Was begeistert euch am Fassadenbau, und was möchtet ihr in den nächsten Jahren erreichen?

Raphael: Mich fasziniert nach all den Jahren noch immer, wie eine gute Fassade entsteht. Meine Vision ist ein Team, das sich in seinen Kompetenzen ergänzt, sich gegenseitig trägt und mit Freude arbeitet. Am Ende zählen die Menschen und das, was sie gemeinsam erschaffen.

Samuel: Wir leben in einer gestalteten Umgebung, und der Mensch nimmt sie zuerst mit den Augen wahr. Genau dort, wo Ästhetik und Technik ineinandergreifen und ein stimmiges Ganzes entsteht, liegt für mich der Reiz unserer Arbeit. Allein gelingt das niemandem. An jeder Schnittstelle stehen Partner, Lieferanten und Kunden mit demselben Anspruch, und dieses Netz zu pflegen, ist unsere Aufgabe.

Nachhaltiger Erfolg zählt bei uns mehr als kurzfristiger Gewinn. In der Zusammenarbeit mit Ecolite spüren wir die gleichen Führungsprinzipien, Werte und Ziele.
— Raphael Ammon
Wir verstehen uns als Ermöglicher, nehmen alle Anforderungen auf und entwickeln daraus eine technische, wirtschaftliche und ästhetische Lösung.
— Samuel Bregenzer
Bauherren wollen sich mit individuellen Lösungen in Architektur und Materialwahl abheben. Hohen Anforderungen begegnen wir mit Effizienz.
— Raphael Ammon
Gefragt sind Generalisten, die Technik, Wirtschaft und Digitales verbinden. Gerade kleinere Betriebe profitieren von vielseitigen Teams.
— Samuel Bregenzer